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Tuesday, 18 June 2013

Adieu Thailand, Hallo Laos

Wie ihr aus dem Titel schliessen könnt haben wir ein wichtiges Zwischenziel erreicht: Die Grenze zwischen Thailand und Laos. Wir haben in Thailand 775 km zu Fuss zurückgelegt, 10 Provinzen durchquert und durften mehr erleben als in ein Buch passt. Ich kann unmöglich all dies mit euch teilen weil a) wir keine Zeit zum Wandern mehr hätten und b) ich die Blogeinträge kurz und verdaubar halten will. Aber dies ist ein guter Zeitpunkt für eine kleine Rückblende um ein paar dieser Erlebnisse zu schildern (in keiner speziellen Reihenfolge). 

Wir hatten sehr unterschiedliche Begegnungen mit der thailändischen Polizei. Der besoffene Beamte, der sich am "Kein Alkohol am Steuer" Schild festklammerte und stotterte, dass wir ihn anrufen können wenn wir Hilfe brauchen. Es war morgen und ich bin mir ziemlich sicher, dass er nicht zur Station spazierte... Überflüssig anzumerken, dass wir ihn nie kontaktiert hätten - die Gefahr bei seinem Herbeieilen überfahren zu werden wäre grösser gewesen als jede andere denkbare... In Nan wurden wir von zwei uniformierten und ordenbehängten Christbäumen gewissenhaft angehalten ohne zu wissen was wir verbrochen haben. Es stellte sich heraus, dass sie ein Foto von der zeremoniellen Übergabe ihrer Telefonnummer schiessen wollten.
Unsere Freunde von der Polizei...

Unser "Lieblingspartytrick" in Thailand (funktioniert auch prächtig in Laos) ist, dass wir wahllos Leute meinen 25 kg schweren Rucksack aufheben lassen. Manche konnten ihn nicht einmal hochheben, andere schlugen fast Vorwärtssalti beim Versuch. Die Laute, die sie während und vor allem nach der Aktion von sich geben, ist ein Genuss. Begleitet von wildem Klatschen und abenteuerlichen Grimassen. 
Unsere letzte Nacht in Thailand verbrachten wir im Zelt obwohl uns Einheimische wegen bewaffneten Drogenschmugglerbanden sehr davon abrieten. Damit es uns nicht langweilig wird muss der liebe Wandergott uns noch ein Blindgänger hingelegt haben. Wir wussten, dass dies kommen würde - erwarteten es aber erst in Laos. Weil es der einzige einigermassen versteckte Ort war bauten wir das Zelt dennoch gleich daneben auf. Sagen wir mal, dass es interessante Stunden bis am Morgen waren...
Schöne Abschlussnacht in Thailand...

Obwohl Laos und Thailand Nachbarländer sind unterscheiden sie sich doch extrem. Erstens ist die Natur in weiten Gebieten Thailands (leider) alles andere als intakt. In Laos hingegen gibt es dicht bewaldete Hügelzüge so weit das Auge reicht. Der unberührte Dschungel beherbergt eine rieseige Anzahl von Wildtieren - einfach magisch. Augenfällig ist auch die viel grössere Armut in Laos. Alle Menschen, die wir in Thailand getroffen haben, hatten fliessendes Wasser im Haus. Dies scheint im ländlichen Laos eher die Ausnahme zu sein. In grossen Eimern wird es hinter dem Haus aufbewahrt. Aufgefüllt werden diese am Fluss oder beim Dorfbrunnen. Die Kinder tragen normalerweise sehr gut gebrauchte Kleider, meist ziemlich schmutzig. Toiletten sieht man kaum neben den Bambushütten... Aber trotz allem (oder vielleicht eben darum): Sie und ihre Eltern scheinen glücklicher mit sich und ihrem Leben als viele in der Schweiz...
Schmetterling und Morgenstimmung in Laos. Unten: dichter Dschungel

Es ist unschwer zu erraten, dass der thailändische Luxus mit Supermärkten, Restaurants, Häusern zum Übernachten und Hotels nun vorbei ist. Wir tragen Vorräte mit uns und schlafen im Zelt. Dies bedeutet schwerere Rucksäcke und Nächte mit 2 - 4 Stunden Schlaf (wegen der Hitze) in sehr hügeligem Terrain. Die höhere physische Belastung wird noch von einer psychischen begleitet, ausgelöst durch die mögliche Präsenz von Blindgängern. Um ein Nachtlager aufzuschlagen müssen wir von der Strasse weg. Vorzugsweise versteckt falls ein Spinner (die es in jedem Land gibt) sich in der Gegend herumtreibt. Das heisst vorsichtig gehen, Augen weit offen halten und zu dichtes Unterholz vermeiden. Einen Hering Millimeter für Millimeter in den Boden zu drücken verkommt zu einer Art russischem Roulette. Wenn er irgendwo ansteht gibt es nur eine Option: rückwärts und an einem anderen Ort versuchen. Den Hering in eine verborgene Bombe zu schlagen könnte tödlich sein. So erfahren wir zum ersten Mal hautnah was es heisst mit dieser Last zu leben. Mit einem wichtigen Unterschied: Wenn die Situation zu gefährlich ist haben wir die Mittel und Möglichkeiten in eine sichere Umgebung zu flüchten. Die Einheimischen nicht.

Morgenstimmung über einem Reisfeld und eines unserer Camps, gut versteckt

Zusammengefasst: bis jetzt ist Laos wunderschön. Wandern ist viel anstrengender geworden aber wir sind mittlerweile gut trainiert. In vier Tagen haben wir 125 km und 4000 Höhenmeter bewältigt. Die neuen Herausforderungen geniessen wir und freuen uns auf das weitere Entdecken dieses Landes und seiner Leute.

Ausblick von einem der zahlreichen Pässe...

Noch eine Schlussnote: Wir haben nun offizell ein PC Konto für Spendierwillige ohne Kreditkarte. Zugang dazu hat einzig und alleine mein Bruder Roman. Er wird die Spenden weiterleiten. IBAN: CH79 0900 0000 2513 1893 4 PC-Konto Nr: 25-131893-4 Adresse: Roman Wettstein, Bachstrasse 14, 5612 Villmergen
 
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Tuesday, 4 June 2013

Planänderung und willkommen im Hügelland

Als wir unser kleiner Spaziergang in Thailand starteten hatten wir drei Routen geplant. 1) Direkt nach Nordosten stechen und in Vientiane nach Laos einreisen 2) in nordnordwestlicher Richtung nach Chiang Mai und anschliessend über Chiang Khon nach Laos und 3) strikt nördlich über Chiang Rai nach Laos, wiederum via Chiang Khon. Natürlich wählten wir die bis dato nicht existente vierte Option: Nan ansteuern und anschliessend über Ban Huay ins nächste Land: Laos.
Unsere Routenoptionen (sehr schematisch)

Dies hatte zwei Gründe. Die erste Option wäre schlicht zu kurz gewesen und wir wollten den Norden Thailands sehen. Die Horden von sogenannten Individualtouristen mit Rucksack, die schlussendlich dennoch alle an die selben Orte strömen, haben uns von 2) und 3) abgeschreckt. Versteht mich nicht falsch, ich kenne wirklich super Backpacker, die ich sehr mag und ich will auch nicht sagen, dass ihre Art zu reisen schlechter oder weniger Wert als unsere sei. ABER: zu viele Touristen beeinflussen die lokalen Gepflogenheiten vorherrschend negativ. Traditionelle Werte gehen verloren und werden durch die 'grossartigen' westlichen Errungenschaften wie Egoismus, Gier und Materialismus ersetzt. Natürlich erscheinen uns die Einheimischen immer noch freundlich aber das ist weil a) dies die thailändische Art ist und b) wir uns an die oft ungerechtfertigte Grummligkeit von unseren Heimatländern gewohnt sind. Aber wir haben den Unterschied erlebt. Vorher klare Gewässer scheinen plötzlich trüb wenn man durch gänzlich unverdorbene gesegelt ist.

Ländliches Thailand

Ein super Beispiel sind Mamiaw und Mak. Sie sahen uns der Strasse entlang wandern, hielten an und fragten ob sie uns helfen können. Wir suchten ein Nachtlager und sie kannten zwei. Zwanzig Minuten später standen sie wieder vor uns mit der Nachricht, dass beide Guesthouses schon wieder geschlossen seien - und luden uns ein die Nacht in ihrem Häuschen am Fluss zu verbringen. Sie entschuldigten sich fast dafür, dass es sehr klein sei. Wir konnten unser Glück kaum fassen und waren baff ab der Freundlichkeit die wir immer erfahren dürfen. Obwohl sie arm waren luden sie uns im Restaurant zum Mittagessen ein. Sie zeigten uns im lokalen Tempel wie Buddhisten beten. Sie stellten uns ihrer Familie vor. Mamiaw und ihre Mutter kochten uns ein herrliches veganes Abendessen mit vier verschiedenen Gerichten zur Auswahl. Sie liessen uns in ihrem Zuhause alleine schalten und walten, ohne jegliches Misstrauen. Hand aufs Herz: wie viele Personen kennt ihr, die zwei stinkende, verschwitzte Landstreicher nach fünf Minuten Kennenlernphase vorbehaltlos in ihr Haus lassen? Ich kenne eine.

Der Nan Fluss vor Mamiaws und Maks Haus plus unsere herzensguten, äusserst grosszügigen Gastgeber

Das sind die Momente in denen man sich als Westler schäbig fühlt. Wir haben so viel und geben so wenig. Sie haben fast nichts doch sind bereit alles zu teilen. Und man fragt sich wer die wirklich armen Leute sind, wir oder sie? Diese Begegnung hat uns zutiefst berührt und wird uns für immer begleiten. Wir hoffen, dass wir euch irgendwann etwas zurückgeben können. Danke Mak, Mamiaw und Familie.
Auf jeden Fall rasteten wir in einem der uns lieb gewordenen Unterstände am Strassenrand (eigentlich sind es Bushaltestellen) an userem ersten Tag auf der Etappe nach Nan. Plötzlich kommt ein alter, zahnloser Mann im Stechschritt auf uns zu. In seiner Hand eine Machete direkt auf mich gerichtet. In seinem Gesicht ein Grinsen und am Kinn drei 8 cm lange, graue Barthaare. Weil Wandernde in Thailand ein paar rostige Schrauben in der oberen Abteilung besitzen (siehe letzter Blog) wusste ich im ersten Moment nicht, was ich davon halten soll. Ruhig zu bleiben und abwarten schien mir die beste Option. Als Begrüssung fuchtelte er mit seinem Messer über dem Kopf und setzte sich neben uns. Ich entgegnete ihm ein 'Sawatdee' und merkte schnell, dass er nichts Böses wollte. Wenig später war die ganze Nachbarschaft versammelt um die zwei komischen Weissen zu sehen.

Mein Freund der Machetenmann und Elvira beim Testen des lokalen Fitnesscenters

Wir bereuen keinen Moment unsere alten Pläne über Bord geworfen zu haben. Die monoton anmutenden Reisfelder sind wildem, einheimischem Regenwald gewichen, der auf steilen Klippen wächst und eine Vielzahl von Wildtieren beherbergt. Die Hügel haben uns auch die Erfüllung unseres grössten Wunsches beschert: Regen. An zwei Tagen. Wir waren wie elektrisiert, tanzten und sangen auf der Strasse. Wir führten uns dermassen auf, dass wir fast überfahren wurden. Aber das neue Terrain bedeutet auch mehr Anstrengung. Ca. 1000 Höhenmeter haben den täglichen Etappen von 28 - 30 km noch etwas Würze verliehen.


Aussicht vom Pass und überhängende Felsen. Unten: ausgetrocknete Flüsse sind Zeugen des viel zu heissen Mais...

Vielleicht fragt ihr euch wo wir denn jetzt stecken? Nun, wir sind in Nan angekommen und haben eine Distanz von 630 km bewältigt. Dies ist ca. die Strecke von Zürich nach Paris, von Glasgow nach London oder von San Francisco nach LA. Sind wir der Sache schon überdrüssig? Mitnichten! Es beginnt erst Spass zu machen. 150 km Dschungel trennen uns noch von Laos. Eine neue Kultur, neue Menschen und Erlebnisse erwarten uns. Die Landschaft wird herausfordernder sein und wir müssen uns vorsichtig fortbewegen. Schliesslich ist Laos das pro Kopf stärkst bombardierte Land auf Erden. Über Laos wurden mehr Bomben agbeworfen als im gesamten zweiten Weltkrieg
. Millionen scharfe Sprengkörper liegen noch überall verteilt. Aber zu helfen, dass dieser Schlamassel aufgeräumt wird treibt uns an.

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Monday, 27 May 2013

Nur Verrückte und Obdachlose...

...sind in Thailand zu Fuss unterwegs. Dies hat uns ein Tankstellenbesitzer, der vier Jahre in Melbourne gelebt hat, erzählt. Und ich glaube, dass er recht hat. Die Thais, die uns gehend begegnet sind (um vom Abfallsammeln ein paar Baht zu verdienen) boten ein eher zerzaustes und heimatloses Bild. Und wir? Nun, zur Zeit haben wir kein festes Zuhause und mental muss es schon ein wenig an der Farbe blättern damit man in Thailand wandert. Einem Land in dem man für eine Handvoll Franken hunderte Kilometer im klimatisierten Zug zurücklegen kann. Also entsprechen wir vollumfänglich dem Klischee...
Obdachlose und Verrückte...

Weil wir keinen Schlafplatz fanden hielten wir an obgenannter Tankstelle an und fragten den Manager ob wir unser Zelt hier aufstellen könnten. Er bejahte und offerierte uns sogar ein 'Bungalow', das einmal für die Bauarbeiter errichtet wurde. Dieses eher euphemistisch bezeichnete Objekt entpuppte sich zwar als lotteriger Blechunterstand doch man war wenigstens weg vom Boden. Wir kochten unser Abendessen und stellten das Innenzelt auf, um vor Mücken geschützt zu sein. Letzteres erwies sich leider als qualitativ so hochwertig, dass es isolierte - bei Mitternachttemperaturen über 30 °C. Wenige Minuten später badeten wir in unserem Schweiss - schlimmer als in der Sauna in Betzau! Raus aus dem Ding. Zum Glück tragen wir ein Moskitonetz im Rucksack, das wenigstens keine Wärme zurückhielt und uns vor Blutsaugern schützte. Die Nacht war dennoch grauenhaft. Die Minimierung der Kontaktfläche Körper - Schlafmatte nahm 70 % der Zeit in Anspruch. Weitere 5 % fürchteten wir lebendig begraben zu werden. Der viel zu seltene aber böige Wind rüttelte den Unterschlupf bedenklich durch und liess ihn in allen Tonlagen singen. Selten waren wir so froh nach nur zwei Stunden Schlaf aufstehen zu dürfen.
Unser Bungalow und ein typisches Bild der Region

Entschlossen ein solches Fiasko kein zweites Mal zu erleben wanderten wir gleich 33 km bis eine Unterkunft gefunden war. Zu duschen und ein Ventilator zu haben fühlte sich an wie Himmel auf Erden und nichts hätte uns glücklicher machen können. Der Mangel an geeigneten und sicheren Übernachtungsmöglichkeiten ist der Nachteil wenn man in bäuerlich geprägten Gefilden unterwegs ist. 
Das Zelt drohte schon wieder als wir vor einer heruntergekommenen, schäbigen Reihe von Schöpfen hielten, die den dubiosen Namen 'Sanit Love Inn' trug. War dies ein Bordell? Mangels besserer Optionen entschieden wir uns zu bleiben. Kaum betraten wir die angebotene Barracke bestätigt sich der Verdacht auch schon. Ein riesen Poster zierte die Wand. Abgebildet eine vollbusige Blondine, die auf einem muskulösen Mann liegt. Beide nackt. Neben den obligaten Frottiertüchern bekamen wir noch zwei Zahnbürsten mit Zahnpasta und Kondome. Fuss und Handabdrücke auf unmöglichsten Höhen an den Wänden zeugten von den akrobatischen Akten, die dieses Zimmer schon erlebt haben muss... Falls noch ein Körnchen Zweifel in unseren Köpfen war wurde dieses mit dem Nachteinbruch definitiv zerstreut. Hohes Stöhnen, Schreien und Kreischen von links und rechts - der Schallteppich erinnerte an ein heulendens Wolfsrudel, hie und da unterbrochen durch das tiefe Grunzen eines Wildschweines - war unsere Einschlafmusik. Nachdem wir endlich einschlafen konnten klopfte ein Freier um drei Uhr morgens wie wild and unsere Tür. 'No fucking, just sleeping' reichte um ihn zur nächsten Tür zu schicken wo er seinen Beitrag zur Sonate leisten konnte. Wieder ein Stück thailändische Realität hautnah erlebt.
Oben: Das berüchtigte Poster und unsere Morgenüberraschung. Unten: Fussabdruck und WC / Dusche in unserem "Zimmer"...

Es war ein anderer Manager einer Tankstelle, nebenbei noch Traktorengaragebesitzer und Lehrer, der am folgenden Tag zu unserer Rettung kam. Wieder einmal waren wir gestrandet, kein sicherer Platz zum campen, kein Hotel als er auf mich zukam und uns sein Gartenhäuschen anbot. Natürlich gratis aber wir blieben hartnäckig bis er eine Zahl über die Lippen brachte. Es ist einfach unglaublich wie sich immer wieder eine Lösung in scheinbar ausweglosen Situationen anbietet. Wir durften dies nun ein paar Mal erleben. Ein Freund meines Vaters, der Abenteurer Louis Palmer, sprach immer davon wenn ich das Glück hatte ihn zu treffen. Jetzt weiss ich was er meinte.
Das schönste Gartenhäuschen der Welt und unser Zuhause für eine Nacht

Nach all dem und viel mehr, zehntausenden von Schritten, Schweiss und Schmerz verdienten wir uns einen Ruhetag in Phitsanulok. Wie wir es genossen zum ersten Mal die Wäsche in einer Maschine zu waschen (was für ein Luxus!), in der Auswahl all der Läden zu schwimmen und unserem Körper ein wenig Erholung zu gönnen. Langsam aber sicher heilen die Blasen, neue bilden sich immer seltener. Füsse, Knie, Rücken und Schultern gewöhnen sich an die zusätzlichen 20 kg vom Rucksack. Versteht mich nicht falsch, noch haben wir kein schmerzfreier Tag erlebt. Es wäre vermessen dies anzunehmen. Wir sind von 0 auf über einen Halbmarathon pro Tag, gesalzen mit den harten klimatischen Bedingungen und dem Extragewicht. Natürlich schmerzt das. Manchmal sehr. Manchmal weniger. In zwei oder drei Wochen werden diese Nebeneffekte hoffentlich abklingen.
Oben: Touristenfotos von unserem Ruhetag, unten: Zehnagel den ich wegen einer Blase verloren habe (der zweite folgt auch bald) und ein verrottet aussehender kleiner Zeh

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Wednesday, 15 May 2013

Kick off

Nach einer abenteuerlichen Tuktukfahrt durch Bangkok sitzen wir im "normalen" Zug nach Ayutthaya. Die chaotische Hauptstadt ist kein Wanderterrain, daher entschlossen wir uns dazu, den Start nordwaerts zu verlegen. Thai Rail scheint das optimistische Bezeichnungskonzept von Starbucks uebernommen zu haben. "Normal", "Rapid" und "Express" heissen die Kompositionen - treffender waere "kriechend", "sehr langsam" und "langsam". Der Waggon ist nicht klimatisiert, kritisch werden wir als fast einzige Westler gemustert. Zum Glueck haben die Thais ein Elvetino Railbar Konzept: Menschen mit Kuehlboxen steigen ein und verkaufen Eis, Getraenke und ueberhaupt alles was Abkuehlung bietet. 

Nachdem wir den NZ blog in einem Internetcafe in Ayutthaya fertig geschrieben hatten entschieden wir uns den Weg ins Hotel zu Fuss zurueckzulegen. 3 km sollte ja kein Problem sein oder? 45 Minuten spaeter stehen wir frustriert, muede und durchgeschwitzt an unserem Ausgangspunkt - unfaehig einen Weg ueber den Fluss zu finden. Wir nehmen das erstbeste Tuktuk und gehen geradewegs unter die Dusche und ins Bett. Dass der Fahrer uns abgezockt hatte ist uns zu diesem Zeitpunkt egal. Ob wir uns uebernommen haben mit diesem Projekt? 

Der Regen am naechsten Tag war ein Segen! Wir verliefen uns zwar noch ein paar Mal - hauptsaechlich weil Google maps Sackgassen von Durchgangsstrassen nicht unterscheiden kann - aber das war uns Wurst! Die Tropfen kuehlten wunderbar, kein Vergleich zum vorhergehenden Tag. Unsere Hauptsorge waren nur Streuner, die so aggressiv waren, dass wir das erst beste Stueck Holz in einen Wanderstock / Selbstverteidigungswaffe umfunktionierten. Dies hatte den weiteren Vorteil, dass unser Satz " Wir gehen nach Chiang Mai" durch das universelle Wandersymbol unterstrichen wurde. 
Elly in voller Montur und Bild aus Ayutthaya - leider der einzige Regentag bis dato :(

Die legendaere thailaendische Gastfreundschaft bescherte uns eine Nacht in einem traditionellen Haushalt (kein pseudotraditionelles Homestay mit Toilette zum sitzen, echter Dusche und Bett) - essen und schlafen auf dem Boden, duschen mit Schlauch, beobachtet von Kroeten, Geckos und fluechtenden Ratten UND veganes essen, extra fuer uns gekocht! Der Hausherr verdiente seinen Lebensunterhalt mit einer Muay Thai Trainingsschule fuer Kinder. Sein Sohn ist regierender Thai champion in seiner Gewichtsklasse... Als sie von unserem Plan im Zelt zu schlafen hoerten rieten sie uns sehr davon ab (natuerlich alles in Thai). Sie verliehen dem Nachdruck indem sie, die Hand zu einer Pistole geformt und wild fuchtelnd, immerfort "peng peng, moneeeeey, moneeeey" schrien. Spaeter fuehrten andere Locals dasselbe Schauspiel vor - mit dem Resultat, dass unser Zelt noch unbenutzt ist. Zumindest solange wir in staerker bevoelkerten Gegenden unterwegs sind. 
Unsere Gastgeber am ersten Tag

Nach diesem wirklich wundervollen ersten Tag holte uns der Spaetsommer wieder ein. Temperaturen weit ueber 35 C und viel mehr Asphalt als erwartet machten das Gehen zu einer Qual. Blasen sind immer noch unsere taeglichen Begleiter und das einzig kuehle ist Eis, das wir uns auf Nacken und Schultern legen... ABER: es gibt die wirklich, wirklich wundervollen Geschichten die alles wettmachen.
Unsere zwei Lebensretter: Tape um mit Blasen laufen zu koennen und Schatten spendende Haeuschen die alle x km am Strassenrand stehen und dem sonnenmueden Wanderer eine willkommene Abwechslung bescheren

Da sind zum Beispiel die tumultartigen Reaktionen der Einheimischen wenn wir auftauchen. Die ganze Familie wird gerufen um die Fremden anzuschauen, Finger werden auf uns gezeigt. Nachdem sie von unseren Plaenen hoeren schiessen die Augenbrauen derart hoch, dass sie die Stirn zu verlassen drohen, Daumen werden links und rechts in die Luft gestreckt und respektvollste Wais (Haende gefaltet vor der Stirn mit Verbeugung), gefolgt von hysterischem Gelaechter werden uns dargeboten. Mehr als einmal wussten die im naechsten Dorf bereits von unseren Plaenen...

Die Fahrer die hupen und winken oder gar auf einer richtungsgetrennten Autobahn (wenn wir darauf wandern muessen) rueckwaerts (!) fahren um uns eine Mitfahrgelegenheit (was wir strikte ablehnen) oder etwas zu trinken anbieten.

Der arme Farmer, der nichts hat, mir aber seinen Hut anbietet damit ich nicht so heiss habe (ein Nein oder Geld dafuer akzeptierte er nicht). Die angebotene Uebernachtung mussten wir leider ablehnen (da es erst 11:00 war) doch er meinte, dass wir bei ihm schlafen koennten falls wir wieder einmal zurueck kaemen... Mein Hut als Gegengeschenk nahm er erst nach eindringlichem bitten an.
Links: Spass am Strassenrand inkl. Huttausch. Rechts: der spendierfreudige Farmer mit mir und meinem neuen Hut

Ich koennte noch studenlang fortfahren aber kurz gesagt: wie wir aufgenommen werden ist einfach nur verrueckt. Dies merkten wir erst als wir unseren Ruhetag als 'normale' Touristen verbrachten. Kein Winken, keine Wais, ein Laecheln oder Sawatdee hie und da. Statt Daumen hoch ernteten wir nun misstrauische Blicke. Wir hassten es und wollten unsere Rucksaecke und Wanderstoecke zurueck. 
Alle unsere Besitztuemer mit den ueberlebenswichtigen Stoecken und den Gluecksbringern, die wir von einem Kind geschenkt bekamen (haengen von unseren Rucksaecken)

Zu Fuss zu reisen gibt einem die einzigartige Moeglichkeit, dass man nicht davon radeln, fahren oder fliegen kann. Mann kann keine liebenswerte Begegnungen verpassen (genial) aber man kann auch dem fletschenden Hund, der ein Stueck Gluteus Maximus (Pobacke) will, nicht entfliehen (nicht so genial). Man reist ueberall gleich schnell, egal ob die Region im Lonely Planet (in meinen Augen nur ein Massentourismusfuehrer der die Illusion der Individualitaet verkauft) ist oder nicht. Man lernt das richtige Thailand in allen Facetten kennen, angenehm oder unangenehm. Dies ist normalerweise Leuten vorenthalten, die in einem Land leben. 
Thailand. Der Himmel scheint nur bewoelkt - die Sonne brennt unerbittlich auf uns

Was koennen wir also nach 200 km konstatieren? Es ist wirklich hart aber wunderschoen mit all den Erlebnissen, die einem geradewegs ins Herz treffen und uns fuer immer begleiten werden. Wertvolle Dinge wollen verdient sein... Wir lieben das Vagabundenleben bis jetzt
Handgewaschene Kleider trocknen an der improvisierten Waescheleine

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Zur guter Letzt wollen wir noch ueber etwas sprechen was uns am Herzen liegt. Waehrend der Vorbereitung zu dieser Reise wurden wir mit den Gefahren konfrontiert, die von Munitionsrueckstanden aus dem Vietnamkrieg ausgehen - fuer den zu Fuss Reisenden aber vor allem fuer die einheimische Bevoelkerung. Minen und unexplodierte Bomben sind eine versteckte Bedrohung, die jederzeit im Verlust von Gliedmassen oder gar des Lebens resultieren kann. Wir reisen nur durch diese Gebiete. Andere ziehen Kinder gross im Wissen, dass der Schulweg oder sogar der eigene Garten toedlich fuer die Sproesslinge enden kann. Unterstuetzung anzubieten um Bedingungen fuer eine sichere Zukunft zu schaffen ist das Mindeste was wir tun koennen. Die Minen und Bomben (groesstenteils von westlichen Laendern gelegt / abgeworfen) zu entschaerfen ist der erste Schritt dazu. Wir haben uns dazu entschlossen diese Reise unter das Motto 'gegen Minen und fuer eine sichere Zukunft' zu stellen. Die Organisation, fuer die wir Geld sammeln, heisst MAG. Ihre vorbildliche Arbeit hat ihnen einen Friedensnobelpreis eingebracht (1997). Ich empfehle allen das Video zu schauen - es sagt mehr als ich es je koennte (leider nur in Englisch)... 
Falls dir unser Projekt gefaellt waeren wir geehrt wenn du unser Blog, unsere Facebook Fanseite und Spendenseite mit moeglichst vielen Leuten teilen koenntest. Oder einfach Mund zu Mund Propaganda betreibst. Falls du obendrauf noch etwas spenden willst waerst du unser Held...  Für Spenden per Banküberweisung haben wir ein PC Konto eingerichtet (25-131893-4, IBAN CH79 0900 0000 2513 1893 4). Sie werden dann auf unsere Spendenseite weitergeleitet. 

Vielen Dank fuers lesen, und fuer die Unterstuetzung und Anteilnahme die wir erfahren duerfen. Es hilft uns extrem wenn es schwierig wird...